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Regulationsmedizin und Mikrostrom

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Einsatz von Mikrostrom in der Regulationsmedizin

Wikipedia beschreibt den Begriff Regulationsmedizin als die Vielfalt der alternativen Medizin, der Naturheilkunde, der Erfahrungsmedizin und der biologischen Medizin. Das Ziel der Regulationstherapie, laut Wikipedia ist es, die Lebensenergie durch Naturmittel, Wärme, Kälte und anderweitige Interventionsmethoden zur Regulation, positiv zu beeinflussen (Wikipedia, 2018).

Die Regulationsmedizin endet nicht mit der Regulation des Organismus. Sie umfasst alle Regulationsprozesse, die der Biologie, der Chemie und Physik. Sie versucht somit interdisziplinär eine Brücke zwischen den Disziplinen zu bilden und somit summiertes Wissen nutzbar zu machen (Stacher, 1997).

Stacher (1997) zeichnet eine Analogie mit einer Theorie aus der Physik. Er führt hier die Chaostheorie heran, um die Komplexität der Regulationsmedizin zu erklären. Der menschliche Organismus ist ein offenes thermodynamisches System, das von äußeren Einflüssen abhängig ist. Offene thermodynamische System benötigen von außen zugeführt Energie und sind damit ungleich einem Gleichgewicht. Daraus ist abzuleiten, dass der regulative Ansatz des menschlichen Organismus darin besteht, dass dieser auf eine Autoregulation angewiesen ist. Dieser Zustand ist mit dem Begriff physiologisch zu beschreiben (Stacher, 1997).

„Die alte Erkenntnis ist immer noch gültig: Medicus curat, natura sanat. Mit den Methoden der Regulationsmedizin arbeiten wir über die Möglichkeiten der Autoregulation des Organismus und haben so eher die Chance auf eine nachhaltige Therapie, auf eine Ausheilung der Erkrankung“ (Meyer-Wegener, 2003, S. 281).

Ist die Regulationsmedizin wirksam und nachgewiesen?

Das ist eine Frage, deren Beantwortung in diesem Artikel wohl nicht in Gänze möglich ist bzw. in seiner Gesamtheit nachgewiesen werden kann. Aus unseren Erfahrungen heraus, jedoch unter Vorbehalt, mit Ja beantwortet werden kann. Vorbehalt, weil sich viele in dem Bereich der Regulationsmedizin tummeln und dieser Begriff scheinbar eine Anziehungskraft an Scharlatanen und Idioten hat. Man könnte sagen, der Markt der Regulationsmedizin ist zu wenig reguliert! 

Doch sollte auch noch ein weiterer Aspekt in die Beurteilung mit einbezogen werden. In der Beurteilung der Wirkung, Nicht-Wirkung und Seriosität der Regulationsmedizin, sollte der von Kahnemann (2015) beschriebene Halo-Effekt, nach Ansicht des Autors Beachtung finden. So könnte unterstellt werden, dass durch die Aussagen und Beschreibungen der Regulationsmedizin, eine unterbewusste Beeinflussung stattfindet. Hierbei wird durch den Halo-Effekt ein Umstand genutzt, der in der Regel nicht willkürlich ist. Die Regulationsmedizin wird als sanfte und gleichzeitig wirkungsvolle Therapie beschrieben. Dabei soll der Organismus reguliert und unterdrückt werden. Allein die Wirkung der jeweiligen Worte bzw. die daraus entstehende Assoziation, kann einen Einfluss zur Bewertung der Regulationsmedizin haben. (Kahneman, 2015)

Sehr interessant ist auch der Ansatz, der in Ärztezeitung diskutiert worden ist. Tenor diese Diskussion war, ob Knie-Arthroskopien tatsächlich wirksam sind oder nicht. Die Studienlage zeigt hier ein relativ klares Bild, dass diese bei weitem nicht in allen Fällen wirksam sind wie von den Orthopäden angepriesen. Diese erwidern jedoch damit, dass das Ergebnis an der zu ‚eng gefassten‘ Studienlagen und deren Beurteilung lag. Darauf hin schrieb das Ärzteblatt (2015), die Orthopäden wären dem ‚Myside bias‘ zum Opfer gefallen. „[…], dass viele Orthopäden zum Opfer eines „myside Bias“ geworden sind, der sie davon abhalte, ihre Überzeugungen infrage zu stellen.“ (Ärzteblatt, 2015) 

Der ‘Myside bias’ entsteht, wenn jemand versucht etwas zu argumentieren auf Grund von eigenen Erfahrungen bzw. von selbst erstellen und evaluierten Beweisen. In vielen Fällen, wird dann jedoch beim Test der eigenen Hypothese, gegen augenscheinliche Beweise, die eigene Einstellung/Meinung das Ergebnis und damit die eigene Meinung beeinflussen. (Keith E. Stanovich, Richard F. West & Maggie E. Toplak, 2013)

Zugegeben die Betrachtung der Regulationsmedizin aus wissens- und sozialpsychologischer Sicht, kann zu der von Hans Albert (1969) beschriebenen unendlichen Regression führen. Damit ist natürlich niemanden geholfen. Doch soll hier die Wirkung von regulativ-arbeitenden Therapien nicht abgesprochen werden, ganz im Gegenteil. Jedoch darf jede Seite, sowohl die Schulmedizin also auch die Alternativmedizin, kritisch hinterfragt werden. (Albert, 1969)

Ein Artikel unter dem Motto „Gesund = Regulation“

Tyburzy (2018) beschreibt die Regulation der Gesundheit recht einfach und treffend mit einer Analogie. Er nimmt drei Häuser mit der gleichen Herausforderung. Alle drei dieser Häuser haben eine Feuchtigkeitsproblem im Untergeschoss. Zur ‘Therapie’ der Feuchtigkeit, im Sinne der Regulationsmedizin haben die Häuser alle ein endothermes Problem, werden nun Firmen beauftragt, welche mit der Trocknung des Hauses betraut werden sollen.  Ohne jetzt weiter in die Tiefen einer Trocknung von Häusern einzutauchen, kommen wir gleich zur Lösung des Problems und zur Erklärung, warum diese Analogie in Teilen die Regulationsmedizin treffend beschreibt. Es muss bei allen drei Häusern an erster Stelle natürlich die Herkunft des Wassers untersucht werden. Also eine Ursachen-Analyse durchgeführt werden. Diese wird in Relation zum aktuell herrschenden Zustand gesetzt, dem Symptom und dann wird entschieden welche Strategie genutzt wird, um das Problem dauerhaft in den Griff zu bekommen. Das wäre die Regulationsmedizin im Sinne einer Gebäudetrocknung vereinfacht erklärt. (Tyburzy, 2018)

Was bei diesem schön dargestellten Artikel nach unserer Ansicht leider fehlt, sind Quellen. Gerade im Hinblick auf das ständige ‚Kreuzfeuer‘ in dem sich die Regulationsmedizin befindet, ist nach Ansicht des Autors umso wichtiger, sich auf valide Fakten und Daten zu berufen. Nichts stärkt den ‚Myside bias‘ und die kognitive Verzerrung mehr, als eine nicht Nachvollziehbarkeit. Das hat der Autor im Folgebeitrag der gleichen Ausgabe ‚Die Naturheilkunde‘ mit etwas mehr Fakten unterstrichen. 

Das System der Grundregulation als Basis der Regulationsmedizin?

grundregulation-zellversorgung

Freiherr von Rosen (2018) legt die Basis der Regulationsmedizin in das System der Grundregulation. Hierbei nimmt er Bezug auf die Untersuchungen und Entdeckungen des Histologen Prof. Pischinger. Dreh- und Angelpunkt, so Freiherr von Rosen, sei das Zellzwischengewebe oder auch extrazelluläre Matrix genannt. Dieses Gewebe umschließt jedes Blutgefäß und ist somit an der Zellversorgung und der Entsorgung (Stichwort: Entschlackung und Entgiftung) elementar beteiligt. Der Zwischenzellgewebe ist ‘Urheber’ zahlreicher Stoffwechselprozesse. Diese laufen in der Regel gleichzeitig nebeneinander ab. Das neuronale Netzwerk des Körpers sorgt zudem dazu, dass ein ständiger Informationsfluss zum Gehirn besteht und somit kontrolliert wird, ob und wo in dem System der Grundregulation eine Störung vorliegt. Dies könnte als einen Teil der Zellsteuerung beschrieben werden. „Die Durchlässigkeit des Bindegewebes kann als Gradmesser unserer Gesundheit betrachtet werden.“ (Freiherr von Rosen, 2018, S. 14–16)

Was hat die Mikrostromtherapie mit der Regulationsmedizin zu tun?

regulationsmedizin-mikrostromMikrostrom ist doch Elektrotherapie und hat doch nichts mit regulativen Prozessen zu tun! Weit gefehlt, sehr sehr weit gefehlt!! 

Mikrostrom ist klassifiziert im Bereich der Elektrotherapie bzw. der physikalischen Therapien, doch hat mit Ihren ‚Kollegen‘ TENS, Reizstrom, etc. nicht im Geringsten etwas gemein. Mikrostrom ist eine durch und durch regulative Therapie und lässt sich somit als einen Eckpfeiler der Regulationsmedizin betrachten.

Mikrostrom und das System der Grundregulation nach Pischinger

Flöer (2012) beschreibt das System der Grundregulation als Basis der Arbeit mit Mikrostrom. Das offene System des Menschen ist einem ständigen Austausch von Energie und Materie bestrebt. Ziel dabei ist es, das biologische System in eine geordnete Struktur zu bringen. Die Funktionseinheit nach Pischinger, so Flöer (2012), sind die Endgefäße wie Arteriolen, Kapillare, und Venolen, die Bindegewebszellen, Nervenbahnen und die extrazelluläre Flüssigkeit. Erstere, also die Arteriolen, Kapillare und Venolen werden auch als Gebiet der Mikrozirkulation beschrieben. Das gesamte System der Grundregulation ist verantwortlich für die Lebensgrundfunktionen, bei einer Störung des Systems entsteht somit zwangsläufig eine Erkrankung. Anders herum betrachtet, lassen sich somit, nach dieser Betrachtung, auch Erkrankungen, bedingt durch Störungen der Grundregulation, heilen (Flöer, 2012, S. 26).

Der Mikrostrom beeinflusst durch einen Elektrodenfluss die natürlich Zellspannung im Gewebe und damit in der extrazellulären Matrix. Somit lässt sich „[…] jeder Zelle, die wir beeinflussen wollen, ihr eigenes Zellpotential zurück“ geben (Flöer, 2012, S. 17).

Die extrazelluläre Matrix umfasst alle Komponenten im extrazellulären Raum in jedem Gewebe. Sie kann als Komplex von verschiedenen Fasern beschrieben werden. Die ‘Aufgabe’ der extrazellulären Matrix ist die „Verankerung und Ernährung der Zellen, Regeneration, Wundheilung sowie Vermittlung von Nerven- und Gefäßfunktionen“ (Flöer, 2012, S. 27).

Ein Einsatzbereich von vielen im Rahmen der Regulation des Grundsystems mit Mikrostrom ist der, der Ausleitung und Entgiftung. Wird der extrazelluläre Raum durch die Unterstützung von Mikrostrom gereinigt, so hat das Milieu die Möglichkeit sich zu regenerieren und zu heilen. Die Mikrostromtherapie kann hier speziell mit sog. ‘basischen Wickeln’ eine Hilfestellung leisten. Durch die ‘Zugabe’ von spezifischen Frequenzen im Mikrostrom, klopft man im übertragenen Sinne an die Tür der Zelle. Die Frequenz sorgt nun dafür, den richtigen Trigger zu setzen, sofern die richtige Frequenz gewählt wurde. In der Kombination von verschiedenen spezifischen Frequenzen, wird im gleichen Schritt der Abtransport der Schlackenstoffe und Gifte im Gewebe, der extrazellulären bzw. dem Pischinger-Raum gefördert. Eine Ergänzung, mit den nach Flöer (2012) durchschlagendsten Erfolgen, ist die Anwendung von basischen Wickeln mit frequenz-spezifischem Mikrostrom. Die Gifte und Schadstoffe werden dabei über die Haut, den Darm und die Nieren ausgeleitet. (Flöer, 2012, S. 34–35)

Regulationsmedizin mit Mikrostrom unter energetischer Betrachtung

regulationsmedizin-mikrostorm-meridianeDie Mikrostromtherapie wird in vielen Bereichen der traditionell chinesischen Medizin (TCM) eingesetzt. Über die Elektroakupunktur mit Mikrostrom bis hin zur Meridian-Therapie, setzen Anwender dieses Verfahren ein. 

Wie kann die Mikrostromtherapie einen Weg bzw. einen Ansatz in die Regulationsmedizin über TCM finden? Hier gäbe es mit ziemlicher Sicherheit eine Vielzahl an Antworten, wenn wir allein die Zellstimulation, Zellernährung, Zellentgiftung etc. denken. Doch bezogen auf die Regulationsmedizin vom Standpunkt der traditionell chinesischen Medizin, beschreiben Greenlee et al. (1998) die regulative Wirkung von Mikrostrom aus Sicht des Energieflusses im menschlichen Körper. Der Mikrostrom ist nach Ansicht von Greenlee et al. eine transkutane elektrische Tsunamiwelle. Wird Mikrostrom mit einer unipolaren ‘Welle’ genutzt, so kann hiermit, unter Berücksichtigung der korrekten Frequenzen, der Energiefluss der Meridiane beeinflusst werden. Gestärkt wird dieser Effekt durch eine funktionale Interferenz-Anlage der Elektroden. (Greenlee, Greenlee & Wing, 1998, S. 16–23)

Literaturverzeichnis

Albert, H. (1969). Traktat über kritische Vernunft (Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Bd. 9, 2., unveränd. Aufl. [Studienausg.]. Tübingen: Mohr (Siebeck).

Ärzteblatt (Deutscher Ärzteverlag GmbH, Hrsg.). (2015). Meta-Analyse: Arthroskopische Eingriffe am Knie mit begrenzter Wirkung. Zugriff am 31.12.2018. Verfügbar unter https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63169/Meta-Analyse-Arthroskopische-Eingriffe-am-Knie-mit-begrenzter-Wirkung

Flöer, R. (2012). Beauty & Wellness. Mit Biologischer Cell Regulation. Cheyenne: Windsor Verlag.

Freiherr von Rosen, J. (2018). Das System der Grundregulation als Basis der Regulationsmedizin – Eine einführende Betrachtung. Die Naturheilkunde, 95, 14–16.

Greenlee, C. W., Greenlee, D. L. & Wing, T. W. (1998). Basic microcurrent therapy acupoint & body work manual (4th ed.). Kelseyville, CA: Earthen Vessel Productions.

Kahneman, D. (2015). Schnelles Denken, langsames Denken (Zwanzigste Auflage). München: Pantheon.

Keith E. Stanovich, Richard F. West & Maggie E. Toplak. (2013). Myside Bias, Rational Thinking, and Intelligence. Current Directions in Psychological Science, 22, 259–264. https://doi.org/10.1177/0963721413480174

Meyer-Wegener, J. (2003). Positivliste – Auslöser für eine neue Kampagne gegen Naturheilverfahren – Regulationsmedizin. Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren, 44. Verfügbar unter http://zaen.gruen.net/archiv/pdf/2003/2003-05.pdf#page=33

Stacher, A. (1997). Regulationsmedizin. Research in Complementary Medicine, 4. Verfügbar unter https://www.karger.com/Article/Pdf/210327

Tyburzy, J. (2018). Gesundheit ist Regulation: Eine Einführung. Die Naturheilkunde, 95, 13.

Wikipedia (Wikimedia Foundation Inc, Hrsg.). (2018). Regulationsmedizin. Zugriff am 31.12.2018. Verfügbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/Regulationsmedizin

 

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