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Mikrostromgerät an Mehrfachsteckdose

Mikrostromgerät an Mehrfachsteckdose

Es ist oft zu beobachten, dass ein Mikrostromgerät gerne an eine Mehrfachsteckdose mit noch anderen Medizinprodukten oder Nicht-Medizinprodukten angeschlossen wird. Doch ist das eigentlich erlaubt? Birgt das irgendwelche Gefahren?

Dieser Artikel verrrät Ihnen was bei einer Mehrfachsteckdose in der Physiotherapie, Naturheil- und Arztpraxis beachten sollten, wenn Sie Ihr Mikrostromgerät in Betrieb nehmen.

Jeder kennt es und jeder sieht es. In nahezu allen Praxen werden Mehrfachsteckdosen verwendet. Soweit so gut, eine Mehrfachsteckdose ist in der Regel auch ein praktisches Hilfsmittel, um der Vielzahl an elektrischen Geräten, sei es im Haushalt oder auch in der Praxis, gerecht zu werden.

Doch sind diesen kleinen Helfer auch dazu geeignet um Ihr Mikrostromgerät, die Therapieliege das Ultraschallgerät, etc. mit Strom zu versorgen?

Ein klares …..! Geeignet ja, erlaubt schauen wir mal… lesen Sie einfach weiter!

mehrfachsteckdose-mikrostromgerät

Warum dürfen Medizinprodukte nicht mit handelsüblichen Mehrfachsteckdosen, die doch so praktisch sind, verbunden werden?

Bevor wir auf diese Frage eingehen, ist erst einmal wichtig zu wissen, wie die dafür zuständige Norm, eine Mehrfachsteckdose eigentlich definiert:

“Eine oder mehrere Steckdosen, die dafür bestimmt sind, mit flexiblen Kabeln, Leitungen oder ME-Geräten verbunden oder darin integriert zu sein, und die Versorgungsnetz- oder vergleichbare Spannung liefern” (DIN EN 60601-1 2013, Kap. 3.67)

List sich schlecht und sagt eigentlich nicht viel aus. Doch die DIN EN 60601-1 ist eine der grundlegendsten Norm für die Medizintechnik und damit auch für alle Mikrostromgeräte. Sie legt fest was an Sicherheits- und Leistungsmerkmalen bei Mikrostromgeräte geprüft werden und was für die elektrische Sicherheit wichtig ist und was nicht.

Diese Anforderungen dürfen Hersteller in keinem Fall auf die leichte Schulter nehmen, sonst dürfen diese das Mikrostromgerät gar nicht erst verkaufen. Ein Betreiber also ein Arzt, Physiotherapeut oder Heilpraktiker wie Sie, ebenfalls nicht. Das ist aber mehr oder weniger in der MPBetreibV (Medizinprodukte-Betreiberverordnung) geregelt, die Sie sicherlich alle kennen und befolgen 😉.

Die Medizinproduktebetreiberverordnung (MPBetreibV) beschreibt unter § 4 Allgemeine Anforderungen, dass Medizinprodukte nur in ihrer jeweiligen Zweckbestimmung und nach den anerkannten Regeln der Technik betrieben werden dürfen. (MPBetreibV 2002, § 4, Abs. 4)

Der Hersteller muss auch in der Gebrauchsanweisung darauf hinweisen, dass Mehrfachsteckdosen mit seinem Medizinprodukt nicht betrieben werden dürfen.

Jetzt gibt es natürlich auch Medizinprodukte bzw. Mikrostromgerät die bereits eine Mehrfachsteckdose verbaut haben (diese muss natürlich den geforderten Spezifikationen für ein Medizinprodukt entsprechen), dann schreibt die IEC 60601-1 vor, dass der Hersteller in der Gebrauchsanweisung des Mikrostromgerätes einen Warnhinweis anbringen muss. Dieser Warnhinweis, soll vor einem Missbrauch, also einem Anschluss eines fremden Gerätes und sei es nur ein iPhone zum Laden, warnen. (DIN EN 60601-1 2013, Kap. 7.9.2.2)

Was ist eine vorstellbare Einsatzmöglichkeit von Mehrfachsteckdosen?

  • Sie benötigen eine Verlängerung, weil die Steckdose zu weit entfernt ist
  • Sie haben zu wenige Steckdosen im Behandlungsraum und zu viele Geräte
  • Sie möchten flexibel sein und das Gerät frei im Raum bewegen können

All das sind Beispiele wann Sie eine Mehrfachsteckdose durchaus benötigen könnten und einsetzen möchten.

Doch sind Mehrfachsteckdosen besonders ‚reguliert‘ bzw. liegen diesen besonderen Regeln auf was Medizinprodukte und damit auch Mikrostromgeräte betrifft.

So ist es z.B. so, dass der Schutzleiter der Mehrfachsteckdose dann das sog. Nadelöhr des Systems darstellt. Denn wenn die Mehrfachsteckdose bzw. der Schutzleiter dieser ein Problem hat, befindet sich Ihr Mikrostromgerät automatisch in einem Fehlerfall und es können teilweise gefährliche Ableitströme entstehen, welche für ggf. gefährliche Konsequenzen haben können.

Medizinprodukte dürfen nur nach den “allgemein anerkannten Regeln der Technik betrieben und angewendet werden.” Darin ist zu erkennen, dass zum einen die Angaben des Herstellers zwingend eingehalten werden müssen und die grundlegenden technischen Regeln einzuhalten sind – zwingend einzuhalten sind. (MPBetreibV 2002, § 4, Abs. 1)

„Insgesamt ergeben sich (unter anderem) die folgenden Gefährdungen:

  • Thermische Gefährdung durch Überlastung oder schlechte Kontakte.
  • Elektrische Gefährdungen durch Erhöhung des Berührungsstroms bei Unterbruch des SL oder bei Erhöhung des SL Widerstands
  • Funktionale Gefährdung durch möglichen Unterbruch der Stromversorgung für angeschlossene ME-Geräte.“

(Klessascheck 2019)

Wenn Sie eine Mehrfachsteckdose verwenden für Ihr Mikrostromgerät, sind Sie automatisch verantwortlich und gelten nach IEC 60601-1 als Hersteller des Gerätes mit allen Pflichten! Sie können streng genommen Ihren Namen auf das Typenschild schreiben! (Klessascheck 2019)

Fazit

Beachten Sie dringend die Hinweise in der Gebrauchsanleitung Ihres Mikrostromgeräts. Der Hersteller muss dazu Angaben gemacht haben, wenn es sich um einen seriösen Hersteller handelt. Des Weiteren nutzen Sie in keinem Fall eine Mehrfachsteckdose aus dem Baumarkt oder besten lassen Sie diese ganz weg, die Gefahren sind einfach zu groß. Fragen Sie im Zweifel immer den Hersteller. Bedenke Sie stets, wenn Sie die Stromversorgung Ihres Mikrostromgerätes verändern, werden Sie (auch ohne es zu wissen) automatisch zum Hersteller des Gerätes! Ausnahme ist ausschließlich, wenn der Hersteller Ihnen ein Mikrostromgerät liefert, bei dem bereits ein Mehrfachsteckdose installiert ist. Dann können Sie davon ausgehen, dass diese auf ihre elektrische Sicherheit hin von Hersteller geprüft worden ist.

Dies kann übrigens nur ein Hersteller von Mikrostromgeräten machen, der nach DIN EN ISO 13485 zertifiziert ist! Alle anderen dürfen an ihren Geräten ohne den TÜV etc. nicht und zwar rein gar nichts verändern, streng genommen nicht einmal die Farbe des Gerätes!

 

Literaturverzeichnis

DIN EN 60601-1 (2013): Medizinische elektrische Geräte – Teil 1: Allgemeine Festlegungen für die Sicherheit einschließlich der wesentlichen Leistungsmerkmale (lEC 60601-1:2005 + Cor.:2006 + Cor.:2007 + A1;2012); Deutsche Fassung EN 60601-1:2006 + Cor.:2010 + A1:2013. Berlin: Beuth Verlag (ICS 11.040.01).

Klessascheck, Mario (2019): Mehrfachsteckdosen bei Medizinprodukten. Hg. v. Johner Institut. Online verfügbar unter https://www.johner-institut.de/blog/systems-engineering/mehrfachsteckdosen/?utm_source=CleverReach&utm_medium=email&utm_campaign=28-06-2019+Instituts-Journal+25%2F19&utm_content=Mailing_11446043, zuletzt geprüft am 03.07.2019.

MPBetreibV (2002): Verordnung über das Errichten, Betreiben und Anwenden von Medizinprodukten (Medizinprodukte- Betreiberverordnung – MPBetreibV) *. In: Erwin Deutsch, Hans-Dieter Lippert, Rudolf Ratzel, Brigitte Tag und Ulrich M. Gassner (Hg.): Kommentar zum Medizinproduktegesetz (MPG). Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.

 

 

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Mein Mikrostromgerät ist k(ein) Medizinprodukt?!

https://mikrostrom.com/mein-mikrostromgeraet-ist-kein-medizinprodukt/

Betreiben von Mikrostromgeräten und was man in der Praxis beachten muss!

https://mikrostrom.com/bestandsverzeichnis-fuer-medizinprodukte-mpbetreibv/



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