Skip to main content

Kybernetischer Zugang in der Schmerztherapie mit Mikrostrom

Kybernetischer Zugang in der Schmerztherapie mit Mikrostrom

Oder einfach mal kritisch hinterfragt, was ist es eigentlich, dass die Wirkung in der Mikrostromtherapie ausmacht? Die Frequenz??? Die Stromstärke??? Die Polarität???

Die Therapie von akuten und chronischen Beschwerden mit Mikrostrom wird in den USA bereits seit den 70er Jahren eingesetzt. Studien wie Cheng et al. (1982) zeigen, dass Ströme von < 500 µA in der Lage sind den Zellstoffwechsel bzw. die Konzentration von ATP im Gewebe positiv zu beeinflussen. Im Vergleich mit klassischen elektrotherapeutischen Verfahren, welche meist mit Stromstärken von über 5 mA arbeiten, ist die Mikrostromtherapie in der Lage, im optimalsten Fall eine Verfünffachung der ATP-Konzentration zu erreichen. (CHENG et al., 1982, S. 6)

Daraus abgeleitet, lässt sich die Therapie mit Mikrostrom als Regulationsmedizin beschreiben. Stacher (1997) zeichnet eine Analogie mit einer Theorie aus der Physik. Er führt hier die Chaostheorie heran, um die Komplexität der Regulationsmedizin zu erklären. Der menschliche Organismus ist ein offenes thermodynamisches System, das von äußeren Einflüssen abhängig ist. Offene thermodynamische System benötigen von außen zugeführt Energie und sind damit ungleich einem Gleichgewicht. Daraus ist abzuleiten, dass der regulative Ansatz des menschlichen Organismus darin besteht, dass dieser auf eine Autoregulation angewiesen ist. Dieser Zustand ist mit dem Begriff physiologisch zu beschreiben. (Stacher, 1997)

Auch in Deutschland wird diese Form der Schmerztherapie bereits seit dem Jahr 2000 eingesetzt. Mikus et al. (2003) beschrieben in der frequenzmodulierten Mikrostromtherapie den Einsatz bei Morbus Sudeck. Hierbei wurde die Therapie bei 83 Patienten untersucht. Der Outcome der Studie zeigt eine signifikante Wirkung mit einer Frequenzvariation zwischen 5 und 20 Hz. Die Parameter Beweglichkeit, Schmerz, Rötung und Schwellung konnten hochsignifikant (p= 0,0014 bis > 0,0001) beeinflusst werden. (Mikus, Tietz & Dertinger, 2003, S. 31)

Rockstroh et al. (2010) veröffentlichten Ergebnisse zu einer randomisierten klinischen Studie bei Patienten nach Knie-TEP. Bei der patientenseitig-maskierten Studie zeigte die dreimonatige Nachuntersuchung, dass die Mikrostromgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe im Median schmerzfrei angetroffen wurde. (Rockstroh, Schleicher & Krummenauer, 2010)

Der Einsatz der Mikrostromtherapie wurde 2017 im Fraunhofer-Institut FEP untersucht. Grundlage dieser Untersuchung war ein Mikrostromgerät eines deutschen Herstellers, welcher bereits in früheren Studien eine Kombination von Mikrostrom mit LED-Licht untersuchen ließ. Die Untersuchungsergebnisse brachten den Nachweis, dass Mikrostrom in der Lage ist die Stoffwechselaktivitäten sowie die Zellproliferation zu beeinflussen. (Schönfelder, Walker & Kenner, 2017, S. 29)

Die Schmerztherapie wird oftmals mit pharmazeutischen Methoden gleichgesetzt. Orthopädische Störungen der Struktur und der Funktion werden hierbei als grundlegende Säulen betrachtet, doch dabei eine dritte, die Säule des Metabolismus, außen vorgelassen. In vielerlei Fällen wird die Therapie von Schmerzen auf die Blockade/Unterdrückung von Entzündungsprozessen begrenzt. (Voracek, 2012, S. 366)

Krankheitszustände lassen sich durch ihre Wärmeabgabe und damit verbundenen energetischen Bilanz in drei Bereiche unterteilen:
– physiologisch,
– hypermetabolisch
– und hypometabolisch.
Damit lässt sich ein physiologischer wie auch ein pathologischer Zustand durch eine metabolische Betrachtung beurteilen. (Voracek, 2012, S. 366)

„Vorteilhafter ist es jedoch, die meisten orthopädischen Krankheitsbilder in einem Kontext von Struktur, Funktion und Metabolismus (inkl. Immunologie) zu sehen und diese auch so therapeutisch anzugehen.“ (Voracek, 2012, S. 366) Über feedback-gesteuerte Verfahren lassen sich die metabolischen Prozesse im Gewebe messen und mit der Mikrostromtherapie steuern. Aus klinischer Sicht werden damit eine Funktionszunahme und Schmerzreduktion erreicht. (Voracek, 2012, S. 367)

Fazit

Die knappen Absätze beschreiben treffend und auf den Punkt die Wirkweise der Mikrostromtherapie. Doch bleibt die Frage offen, was ist der Mechanismus, der hinter der Wirkung von Mikroströmen steht und was bringen kybernetisch Verfahren oder die Kombination mit anderen therapeutischen Mitteln?
Ein Satz mit sehr vielen Fragen und noch mehr möglichen Antworten.

Doch bleibt der Versuch pragmatische Lösungen auf die Fragestellungen zu finden. Grundlegen darf berücksichtigt werden, dass Mikrostrom nach wie vor Elektrizität ist und somit physikalischen Gesetzmäßigkeiten, wie z.B. dem ‚Ohm’schen-Gesetz‘ unterliegt.

Jetzt kann, wie in einem Getriebe überlegt werden, welche Stellschrauben für ein Wirkung(en) verantwortliche zeichnen:

  • Stromstärke, welche in Ampere gemessen wird (daher trägt der Mikrostrom auch seinen Namen, denn Mikrostrom arbeitet in einer Stromstärke von weniger als einem Milli-Ampere und wird somit in Mikro-Ampere angeben.)
  • Spannung, welche in Volt gemessen wird (hierüber machen sich weder Anwender noch einige Hersteller auch nur im Geringsten Gedanken. Die Anwender, weil es SCHEINBAR nicht wichtig ist und mit dem Begriff MIKRO wahrscheinlich nichts zu tun hat und die Hersteller, weil es nur wenigen Experten bekannt ist, was die Volt in der Kombination mit Mikro-Ampere eigentlich bewirken im Gewebe bzw. der Zelle.)
  • Frequenz, welche in Hertz, also in Impuls pro Sekunde, angegeben wird (das ist ja gerade der HYPE in der MIKROSTROM-Szene. Alles ist Frequenz und ohne Frequenz wirkt ja sowieso nichts. Frequenzen müssen immer spezifisch sein GANZ EGAL welchen Zustand oder gar welche Belastung das Gewebe gerade hat. Hauptsache irgendwer hat irgendwann eine Frequenz als spezifisch erklärt. Hauptsache Frequenz, doch dann könnte man ja auch die 50 Hz aus der Steckdose verwenden? Und hat eigentlich schonmal jemand an seinem MIKROSTROMGERÄT die achso spezifische FREQUENZ nachgemessen ob die auch wirklich so spezifisch im Gewebe und der Zelle ankommt???)
  • Polarität, welche positiv, negativ und auch bipolar sein kann. (Hierzu gibt es tatsächliche Forschungen, doch diese entziehen sich gänzlich dem FREQUENZ-SPEZIFISCHEN-MAINSTEAM)
    Zum einen darf durchaus mal nachgemessen werden. Also bevor man sagt, „alles ist Frequenz“, sollte man valide messen und die Ergebnisse reliabel auswerten. Natürlich haben Frequenzen eine Wirkung, doch problematisch wird es wenn man eine Wirkung, die des Mikrostroms, ausschließlich auf die der Frequenzen legt und oftmals selber keinerlei Messungen und Untersuchungen dazu durchgeführt hat. Vor allem wenn man sagt, dass eine Frequenz spezifisch ist oder sein soll. Was bedeutet denn spezifisch in diesem Kontext?

Bedeutet spezifisch:

  1. Dass, die Frequenz dem aktuellen Zustand im Gewebe angepasst wird und gleichzeitig auf evtl. situative Veränderungen reagiert wird?
  2. Oder, dass eine in der Literatur genannte und vor Jahren verwandte Frequenz genommen wird und das Label spezifisch einfach nur umgehängt wird?

Zwei gute Fragen, nicht wahr! Die Antwort darauf werden Sie in diesem Artikel nicht finden bzw. wir werden Sie Ihnen nicht geben. Darauf dürfen Sie alleine kommen oder Sie nehmen einfach eine spezifisch vorentwickelte Antwort zur Beantwortung aller Fragen.

Literaturverzeichnis

CHENG, N., van HOOF, H., BOCKX, E., HOOGMARTENS, M. J., MULIER, J. C., DIJCKER, F. J. de et al. (1982). The Effects of Electric Currents on ATP Generation, Protein Synthesis, and Membrane Transport in Rat Skin. Clinical Orthopaedics and Related Research, &NA;(171), 264-272. https://doi.org/10.1097/00003086-198211000-00045

Mikus, E., Tietz, U.-J. & Dertinger, H. (2003). Hochsignifikante Therapieerfolge mit frequenzmodulierten Mikroströmen niedriger Intensität. Osteoporose & Rheuma Aktuell, 3(03), 31–32.

Rockstroh, G., Schleicher, W. & Krummenauer, F. (2010). Der Nutzen der während einer stationären Anschlussheilbehandlung applizierten Mikrostromtherapie bei Patienten nach Implantation einer Knie-Totalendoprothese – eine randomisierte, klinische Studie. Die Rehabilitation [Effectiveness of microcurrent therapy as a constituent of post-hospital rehabilitative treatment in patients after total knee alloarthroplasty – a randomized clinical trial], 49(3), 173–179. https://doi.org/10.1055/s-0029-1246152

Schönfelder, J., Walker, S. & Kenner, L. (2017). Wirkung einer neuen Gerätegeneration auf in vitro-Zellkulturen. AP 3: Wirkung der Mikrostromtherapie auf in vitro-Zellkulturen (Frauenhofer FEP, Hrsg.).
Stacher, A. (1997). Regulationsmedizin. Research in Complementary Medicine, 4. Verfügbar unter https://www.karger.com/Article/Pdf/210327

Voracek, V. (2012). Neuer therapeutischer Zugang bei orthopädischen Erkrankungen durch biologische Stimulation der Zellen und Gewebe (BCR-Therapie) mit metabolisch-kybernetischen Algorithmen. Orthopädische und Unfallchirurgische Praxis, 1.(9), 366–367.

 



Ähnliche Beiträge



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *








Neuer
Podcast!

Kommunikation in der Praxis mit NLP!
Zum Podcast
close-link