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Hochtontherapie ist KEIN Mikrostrom

Hochtontherapie ist keine Mikrostromtherapie auch wenn dies irreführender Weise von einigen Therapeuten behauptet wird

Die Hochtontherapie arbeiet mit mittelfrequenten Strömen in einer Sinusform. der Frequenzbereich wird mit 4096 – 32758 Hz angegeben. (gbo Medizintechnik AG, 2017, S. 5) In einer Gebrauchsanweisung eines Hochtontherapiegerätes werden Ströme von 150 bis 200 mA angegeben. (gbo Medizintechnik AG, 2017, S. 17)

Spätestens die technischen Daten geben Aufschluss über die Differenzierung zwischen dem Mikrostrom- und dem Hochtonverfahren. Die Stromstärke wird hier mit einem Maximalwert von 280 mA angegeben. (gbo Medizintechnik AG, 2017, S. 23)

 

Was ist die Hochtontherapie?

Bei der Hochtontherapie handelt es sich um eine mittelfrequente Muskelstimulation, die als eine Weiterentwicklung der TENS (transkutanen elektrischen Nervenstimulation) beschrieben wird. Ein „metallkompatibler Wechselstrom“ mit einer Amplitudenmodulation, wird hierbei über Elektroden am Patienten appliziert. (Hochtontherapie bie Polyneuropathien, 2017, S. 1)

„Bei der Amplitudenmodulation (AM) schwankt die Amplitude einer hochfrequenten Schwingung niederfrequent. Als Modulationsart wird AM im Rundfunk noch verwendet. Amplitudenmodulation tritt auch natürlich auf; in der Musik als Tremolo.“ (Wikipedia, 2002)

 

Studien und wissenschaftlicher Ansatz kritisch betrachtet

Die Hochtontherapie wird als wirksame Methode bei Polynoeuropathien beschrieben. Eine im Jahr 2008 durchgeführte Studie soll eine signifikante Wirkung bei 414 Diabetes-Patienten gezeigt haben. Ohne diese Studie näher analysiert zu haben, berufen wir uns hier auf einen Artikel der österreichischen Schmerzgesellschaft aus 2017. Beschrieben wird dort u.a. eine Verbesserung der mikrovaskulären Endothelzellfunktion. Weitere Angaben in Bezug auf eine Regulation des generellen Stoffwechsels oder gar auf die Steigerung der ATP-Produktion, wie es bei der Mikrostromtherapie der Fall ist, fehlen jedoch. (Hochtontherapie bie Polyneuropathien, 2017, S. 1)

Eine ärztliche Praxis beschreibt die Wirkung der Hochtontherapie mit einer „direkt“ Wirkung auf den Stoffwechsel der Zellen und der Aktivierung dieses. Quellenangaben sind hierzu jedoch nicht zu finden. Auch auf der Webseite wird als wissenschaftlicher Nachweis lediglich die Studie zur Behandlung von Polyneuropathien herangezogen, diese jedoch ebenfalls ohne die Angabe etwaiger Quellen: „In zahlreichen Studien zu diabetischer Polyneurotpathie wurde die Wirksamkeit der Hochtontherapie nachgewiesen“. Werberechtlich, im Sinne des HWG und UWG, sind diese Aussagen kritisch zu betrachten. (Mahle, Mach & Baikow)

„Eine Werbung für ein Arzneimittel kann irreführend sein, wenn sie auf Studien gestützt wird, die diese Aussage nicht tragen. Ein solcher Verstoß gegen den Grundsatz der Zitatwahrheit kommt zum einen in Betracht, wenn die als Beleg angeführte Studie den Anforderungen an einen hinreichenden wissenschaftlichen Beleg nicht entspricht.“ (BGH, 2013) [Dieses Zitat betrifft auch Medizinprodukte!]

Vergleich zur Mikrostromtherapie hinkt!

Die Literatur beschreibt, dass die Mikrostromtherapie die Stoffwechselaktivität der Zellen verbessern soll. (CHENG et al., 1982) Jeder, der sich über Mikrostrom informiert, kommt nicht umhin, den 500 % Wert der ATP-Steigerung zu lesen. Tatsächlich wurde von Cheng (1982) in einem Tierexperiment nachgewiesen, dass die Applikation von sehr schwachen Strömen, von nicht mehr als 500 µA Einfluss auf:

  • eine verbesserte ATP-Synthese von bis zu 500 %,
  • ein verbesserter Membrantransport von bis zu 73 %
  • und eine verbesserte Proteinsynthese von bis 30 – 40 %

zur Folge hat. (CHENG et al., 1982)

 

Weitere Veröffentlichungen von McMakin in der frequenz-spezifischen Therapie mit Mikrostrom untermauern diese Ergebnisse. Auch in Deutschland sind bereits Forschungen an humanen Zellkulturen mit der Mikrostromtherapie durchgeführt worden. Die Stoffwechselaktivität kann durch die Anwendung mit Mikrostrom nachweislich gesteigert werden. Beobachtet wurden humane Keratinozyten, welche zuvor mit Cycloheximid vorgeschädigt worden sind. Hiermit sollte eine Reduktion der Stoffwechselaktivität von 20 – 30 % erreicht werden. Die Behandlung der geschädigten Zellen zeigte im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle, eine Erhöhung der Stoffwechselaktivität um bis zu 56 %. (Schönfelder, Walker & Kenner, 2017, S. 15)

 

Technischer Vergleich Hochton und Mikrostrom

 

MikrostromHochton
Stromstärkemax. 1000 µA (in der Regel in der Anwendung max. 500 µAMax. 250.000 µA
Frequenzbereich0,1 Hz bis max. 10.000 Hz4096 – 32758 Hz
Impulsformbipolarer RechteckimpulsSinusimpuls

 

Vergleich Stromstärke Hochtontherapie / Mikrostrom

Aus der oben dargestellten Tabelle ist zu erkennen, dass ein Vergleich zwischen Mikrostrom und Hochton nicht gezogen werden kann. Die Stromstärke, die bei der Mikrostromtherapie von entscheidender Relevanz ist, ist bei der Hochtontherapie über 500 mal stärker aus der Praxisbetrachtung.

Vergleich Frequenzbereich Hochtontherapie / Mikrostrom

Welchen Einfluss die Frequenzen in der Mikrostromtherapie haben, zeigt u.a. McMakin in der FSM (frequenz-spezifischen-mikrostromtherapie). Frequenz-Spezifischer-Mikrostrom kann das schmerzhafte Gewebe direkt beeinflussen. Studien wie Reilly (2004) zeigen, welchen Effekt Mikrostrom mit spezifischen Frequenzen haben kann. Gerade bei entzündlichen Zuständen kann der Mikrostrom sehr schnell wirken. (McMakin & Chaitow, 2011, S. 27–28) Doch wird in der Mikrostromtherapie ausschließlich niederfrequent gearbeitet. Viele Anwendungen und Programme arbeiten hierbei deutlich unter 1.000 Hz. In diesem Bereich sind auch die meisten Studien bzw. wissenschaftlichen Arbeiten zur Mikrostromtherapie durchgeführt worden.

 

Zusammenfassung

 

Betrachtet man nüchtern die technischen Fakten, wird schnell klar, dass Mikrostrom einen gänzlich anderen Ansatz als die Hochtontherapie hat. Warum nun einige Therapeuten Mikrostrom als Werbebanner für ihre Praxis nutzen um die Hochtontherapie bewerben, bleibt zur mutmaßen. Die Bekanntheit der Mikrostromtherapie, gerade in den sozialen Medien steigt nahezu „täglich“, daher ist zu unterstellen, das absichtlich oder unwissentlich eine Irreführung jener Therapeuten betrieben wird.

 

 

Literaturverzeichnis

CHENG, N., van HOOF, H., BOCKX, E., HOOGMARTENS, M. J., MULIER, J. C., DIJCKER, F. J. de et al. (1982). The Effects of Electric Currents on ATP Generation, Protein Synthesis, and Membrane Transport in Rat Skin. Clinical Orthopaedics and Related Research, &NA;(171), 264-272. https://doi.org/10.1097/00003086-198211000-00045

Gbo Medizintechnik AG. (2017, 15. Mai). HiToP® Therapiegerät. Gebrauchsanweisung (2.6). Rimbach. Zugriff am 12.01.2020.

Hochtontherapie bie Polyneuropathien. (2017). Zeitschrift der österreichischen Schmerzgesellschaft, 2017(1a), 1–4. Zugriff am 13.01.2020.

Mahle, I., Mach, R. & Baikow, J. (Internisten am Markt, Hrsg.).. Schmerzlinderung mit der Hochtontherapie. Als Weiterentwicklung der klassischen Elektrotherapie lindert die Hochtontherapie – HiToP -Beschwerden. Zugriff am 13.01.2020. Verfügbar unter https://www.internisten-am-markt.de/fileadmin/pdf/igel/Hochtontherapie_Polyneuroapthie.pdf

McMakin, C. R. & Chaitow, L. (2011). Frequency-specific microcurrent in pain management. Edinburgh: Churchill Livingstone Elsevier.

Schönfelder, J., Walker, S. & Kenner, L. (2017). Wirkung einer neuen Gerätegeneration auf in vitro-Zellkulturen. AP 3: Wirkung der Mikrostromtherapie auf in vitro-Zellkulturen (Frauenhofer FEP, Hrsg.).

Wikipedia (Hrsg.). (2002). Amplitudenmodulation. Zugriff am 15.01.2020. Verfügbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/Amplitudenmodulation

 

https://mikrostrom.com/studie-frequenz-spezifischer-mikrostrom-zellregulation/


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