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Evidenzbasierte Medizin und Abmahnungen

Ist Mikrostrom eigentlich evidenzbasierte Medizin? – Abmahnung

evidenzbasierte-medizinEine Frage die für die praktische Anwendung von Mikrostrom wohl nicht wirklich entscheidend ist, oder doch? Hmmm… ‘Evidenzbasierte Medizin kann unter Umständen bei Abmahnungen helfen.’

Wir haben uns diese Frage in der Vergangenheit und in der Gegenwart gestellt und sie wird uns sicherlich auch noch in er Zukunft begleiten. Denken wir nur einmal an die klinische Bewertung von Medizinprodukte, welche gesetzlich vorgeschrieben ist und an das Thema Abmahnungen, das in diesem Kontext ebenfalls eine Rolle spielen kann.

Das Medizinproduktegesetz fordert in § 19, dass Medizinprodukte in ihrem Verwendungszweck durch eine klinische Bewertung stetig bewertet werden müssen. „Die klinische Bewertung muss gemäß einem definierten und methodisch einwandfreien Verfahren erfolgen und gegebenenfalls einschlägige harmonisierte Normen berücksichtigen.“ (1990, § 19, Abs. 1)

Was bringt mir als Therapeut oder Arzt denn eine evidenzbasierte Medizin

Wir dürfen uns zum einen vor Augen halten, dass es in sehr naher Zukunft einfach keine nicht evidenzbasierte Medizin mehr geben wird, zumindest im legalen Praxisbetrieb. Die Verordnung über Medizinprodukte (MDR) 2017/745, hebt hier, was Medizinprodukte betrifft die ‚Schwelle‘ dramatisch an. Diese wird übrigens am 26.05.2020 für alle Hersteller von Medizinprodukten bindend!

Das bedeutet, um ein Produkt in der Medizin oder im therapeutischen Kontext einzusetzen, bedarf es an ‚Evidence‘ also an Nachweisen der Wirksamkeit. Somit sind Studien und deren Qualität von großem Wert. 

Werbung mit Aussagen zur Mikrostromtherapie – Abmahnungen

Auch aus einer der Perspektive von Ärzten und Therapeuten ist es und wird es immer wichtiger auf das ‚richtige Pferd zu setzen‘. Ein Bereich, der für viele eine sehr große Tragweite hat, ist das Thema Werbung mit Gesundheitsaussagen zur Mikrostromtherapie. 

Hier spielt die Qualität von Studien, die dringend zur Untermauerung von Aussagen zur Mikrostromtherapie benötigt werden, eine sehr große Rolle. Es drohen teure und ärgerlicher Abmahnungen, denn hier gilt keine Aussage ohne Nachweis. Doch das ist noch lange nicht alles, denn die Aussagen müssen an den Evidenzgrad der jeweils zitierten Studie angepasst werden!

Halten Sie sich immer vor Augen, dass Abmahnungen zunehmen werden und das oftmals auch zurecht!

„Der Wettbewerb im Gesundheitssektor wird mittlerweile mit sehr harten Bandagen ausgetragen. Alle wollen möglichst viele Selbstzahler oder Privatversicherte akquirieren, denn hauptsächlich mit diesen beiden Zielgruppen werden die Gewinne erzielt! Schauen Sie nur einmal auf das Personal Training. Das ist komplett durch die Kunden selbst finanziert und hochpreisig obendrein. Die Umsätze mit den gesetzlichen Krankenkassen – wenn denn welche erzielt werden – dienen dagegen eher zur Grundsicherung des laufenden Betriebes. Viele selbstständige Physiotherapeuten bewegen sich jedoch mit Ihren Praxen finanziell an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit und müssen nicht nur mit anderen Praxen konkurrieren, sondern sich inzwischen auch mit chinesischen- oder Thaimassage-Salons, vielen Fitnessstudios, Yoga-Anbietern oder Personal-Trainern messen“ (Richter, 2017).

Auf Grund der großen Nachfrage zum Thema Werbung mit Gesundheitsaussagen und Abmahnungen zur Mikrostromtherapie, werden hierfür in Kürze ein ‚Special‘ herausbringen. Seien Sie gespannt, denn Werbung zur Mikrostromtherapie für Ihre Praxis ist möglich, doch gilt es einige Spielregeln zu beachten!

Was ist evidenzbasierte Medizin?

Der Begriff ‘Evidenz’ ist vom lateinischen evidentia abgeleitet und bedeutet so viel wie: „Augenschein, Offenkundig, völlige Klarheit“. In Bezug auf die Medizin bedeutet evidenzbasierte Medizin, dass bei einem therapeutischen und medizinischen Vorgehen bei einem individuellen Patienten, die Vorgehensweise auf Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten erfolgt.

Das bedeutet als Arzt oder Therapeut nutzt man die systematische Recherche zu seiner Therapie und seinen Aussagen dazu (Abmahnung!!). Dabei ist immer kritisch zu beurteilen in wie weit die Validität und Reliabilität der Daten/Studien ausreichend ist. Das bedeutet, die Informationen, auf die sich ein Arzt oder Therapeut verlässt, müssen ‚wiederholbar und verlässlich‘ sein.   (EbM, 2011)

Hier bei ist dringend zu beachten, dass sich dieses auf jegliche Gesundheitsaussagen bezieht! Somit gilt das auch für Trainer, Personal-Coaches und Gesundheitsberater!

Offizielle und internationale Einteilung von Studien in Evidenzklassen

Die folgende Tabelle zeigt die offizielle Einteilung von Studien in die internationalen Evidenzklassen. 

Es ist bei der Auswahl von Studien stets zu bedenken, dass nicht Aussagen von Experten [Expertenwissen] sich unbegrenzt übertragen lassen. Viele Aussagen sind von seinem ‚Urheber‘ geframt. Das bedeutet man darf kritisch betrachten, welche Aussagen tatsächlich anwendbar sind. (Mehrholz, 2010)

  • „Ia = ein systematisches Review auf der Basis methodisch hochwertiger kontrollierter randomisierter Studien (RCTs)
  • Ib = eine ausreichend große, methodisch hochwertige RCT
  • IIa = eine hochwertige Studie ohne Randomisierung, zum Beispiel Kohortenstudie
  • IIb = eine hochwertige Studie eines anderen Typs quasi-experimenteller Studien
  • III = eine methodisch hochwertige nicht experimentelle Studie
  • IV = Meinungen und Überzeugungen von angesehenen Autoritäten (aus klinischer Erfahrung), Expertenkommissionen, beschreibende Studie“ (Mehrholz, 2010).

Wo lassen sich jetzt Studien zur Mikrostromtherapie einordnen?

Eine Ia Studie ist uns zur Mikrostromtherapie nicht bekannt, was es eben sehr schwierig macht mit Aussagen zur Mikrostromtherapie zu werben – Abmahnung –! 

Eine Ib Studie zur Mikrostromtherapie wurde im Jahr 2010 veröffentlicht und mit dem Clinic-Master professional durchgeführt. Hierbei ging es um die Ausheilbehandlung von Patienten nach einer Knie-Total-Endoprothese (Rockstroh, Schleicher & Krummenauer, 2010). Dabei ist allerdings zu beachten, dass es sich um eine Art ‚Grundlagenforschung‘ handelt. Das sollte stets bei der Zitation der Studie beachtet werden. Dennoch sind die Ergebnisse dieser Studie mehr als überzeugend.

Fazit

Sie erkennen, dass der Begriff ‚Evidenzbasierte-Medizin‘ zwar einfach erklärt ist, aber dessen Anwendung bei weitem nicht selbsterklärend ist. Sie sollten bei der Auswahl Ihrer Evidenzen, gerade wenn wir über das Thema Abmahnungen sprechen und Werbung mit Aussagen zur Wirkung von Geräten, sehr kritisch und akribisch vorgehen. Prüfen Sie nach, dass Ihr Gerät auch tatsächlich, die Aussagen, die Sie treffen erfüllt und verlassen Sie sich in keinem Fall auf Marketing-Aussagen, denn dann ist Ihnen eine Abmahnung schon ‚fast garantiert‘.

Auf Grund der aktuellen Präsens des Themas Abmahnungen und Mikrostrom, werden wir hierzu demnächst einen gesonderten Artikel veröffentlichen. Werbung ist trotz Heilmittelwerbegesetz und Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) möglich, doch die Spielregeln sollten beachtet werden. Außerdem ist es auch Frage der Fairness und der Integrität Ihren Patienten gegenüber, Aussagen zu verwenden, die verlässlich und valide sind. 

Literaturverzeichnis

EbM (Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V., Hrsg.). (2011). Der Begriff “Evidenz in der Medizin” wird in unterschiedlichster Weise interpretiert. Hier finden Sie die Definitionen des DNEbM. Zugriff am 16.01.2019. Verfügbar unter https://www.ebm-netzwerk.de/was-ist-ebm/grundbegriffe/definitionen/

Mehrholz, J. (2010). Wissenschaft erklärt: Evidenzstufen – Studien nach ihrer Qualität einordnen. ergopraxis, 3, 14. https://doi.org/10.1055/s-0030-1255425

MPG. (1990). Gesetz über Medizinprodukte(Medizinproduktegesetz – MPG). In E. Deutsch, H.-D. Lippert, R. Ratzel, B. Tag & U. M. Gassner (Hrsg.), Kommentar zum Medizinproduktegesetz (MPG) (S. 1–45). Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.

Richter, V. (2017). Abmahnungen sind ein probates Mittel für einen fairen Wettbewerb. Zugriff am 14.11.2018. Verfügbar unter http://relaxman-redaktion.blogspot.com/2017/03/abmahnungen-sind-ein-probates-mittel.html

Rockstroh, G., Schleicher, W. & Krummenauer, F. (2010). Der Nutzen der während einer stationären Anschlussheilbehandlung applizierten Mikrostromtherapie bei Patienten nach Implantation einer Knie-Totalendoprothese – eine randomisierte, klinische Studie. Die Rehabilitation, 49, 173–179. https://doi.org/10.1055/s-0029-1246152

 

 

https://mikrostrom.com/wer-darf-mikrostromtherapie-durchfuehren/

 


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Kommentare

Patrick Walitschek, MSc

Patrick Walitschek, MSc 19. Januar 2019 um 13:11

Wichtiger Hinweis: Nur weil man eine Studie zur Mikrostromtherapie hernimmt, darf mit den Aussagen noch lange nicht einfach so gegenüber medizinischen Laien, also Patienten werben! Da gilt es noch viele weitere ‘Stolperfallen’ zu beachten!!

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